Könnten Suchergebnisse jemals auf eine Box mit nur einer einzigen Antwort reduziert werden?
Vor dem Hintergrund von Alexa & Co. eine spannende Frage auch für SEOs.

Zunächst ein paar Beispiele:




In einigen Tests hat Google nur noch diese eine Antwort, ähnlich einem Featured Snippet ausgespielt. Könnte Google die ultimative User Experience bieten, ohne uns zehn blaue Links durchforsten zu lassen? Nur eine Antwort einfach in einem deutlich markierten Kasten? Die Frage ist nicht unbegründet. Denn in der zweiten Märzhälfte führte Google ein Experiment bezüglich der Wiederaufnahme von Einzelergebnisseiten durch. Bestätigt wurde dies später von Danny Sullivan (jetzt Googles Public Liaison of Search) mit der Aussage, es ginge dabei lediglich um Abfragen zur örtlichen Zeit, Umwandlungen von Einheiten und Berechnungen etc..
Ohne Zweifel gibt es zu diesen Fragen nur eine einzige Antwort. „Uhrzeit in Berlin“, „100 multipliziert mit 47“ oder „Liter in Gallone“ sind üblich und stehen nicht zur Debatte. Des Weiteren teilte Danny Ende März mit, dass die Initiative genug Feedback gesammelt hat und das „condensed view experiment“ („karge-Ansicht-Experiment“) beendet wurde. Erste Ergebnisse zeigen eine um 0,5 Sekunden verkürzte Seitenladegeschwindigkeit. In der Suchmaschinenbranche wird man viel darüber spekulieren – zeigt das Experiment auf, was schon bald die Norm sein könnte? Falls ja, was wären die Auswirkungen? Und könnte sich das überhaupt auf andere Suchanfragen ausweiten?

4 entscheidende Fragen, die Google berücksichtigen müsste, bevor entschieden wird, das Experiment zum Standard zu machen

1. Welche Folgen hätte das für Publisher?

Für jene Seiten mit Nischeninhalt, die Antworten zu Zeit-, Berechnungs- und Einheitsfragen geben, sähe die Zukunft düster aus. Ihr Geschäftsmodell ist klar. Einmal hoch gelistet in Google, lenken sie den Traffic auf werbeunterstützte Seiten, die die Antwort präsentieren. Zieht man jetzt noch die Klickrate ab, weil man ja schon die Antwort hat, verlieren solche Seiten eine große Einkommensquelle. Wenn es Suchende davor bewahrt, sich durch Content zu klicken, der einzig und allein Werbezwecken dient, kann man schlecht sagen, es liefere keine bessere Search Experience.
Google würde zweifellos ernsthaften Schaden bei einem Großteil der Nischenverlage anrichten, ohne dabei selbst Einbußen zu haben. Wird Google für eine einfachere, gründlichere Benutzerfreundlichkeit diese Seiten sprichwörtlich zur Schnecke machen?
Wenn es die User Experience steigert und das Google nichts kostet, würde ich keine Wette eingehen. Du etwa?

2. Macht es Google wettbewerbsfeindlich?

Möchte Google ernsthaft wiedermal damit anfangen einzuschränken, wer Zugang zu den Suchergebnisseiten hat? Für wettbewerbswidriges Verhalten forderte die Europäische Kommission eine Geldbuße mit einer Rekordsumme von 2,7 Milliarde € – eine Beschwerde wurde drei Monate später in die Wege geleitet. Dieser Fall zog sich über einige Jahre. Dabei geht es darum, dass die Firma Wettbewerb durch die zur Verfügungstellung schneller Antworten ausschaltet (wie zum Beispiel Flug-Zeiten oder Karten), sowie insbesondere durch die Anzeige von Shopping-Ergebnissen in Boxen, von Firmen, die sowieso zum Google-Konzern gehören. Ein Blick in die Zukunft zeigt: Google würde sicherlich schwierig rechtfertigen können, nur eine einzige Antwort in einer Box zu liefern, ohne beigefügte organische Auflistungen. Wenn aus der „einzigen Antwort“ eine „beste Antwort“ von dem, was das Internet zu bieten hat, werden würde, könnte Google vielleicht noch einmal drum herumkommen. Wie dem auch sei, man müsste herausfinden und beweise, wie wichtig Antworten von Websites Dritter tatsächlich sind. Den eigenen Content auf Kosten anderer Publisher auszuwählen, oder den eines Dritten über den Content aller anderen zu stellen, lässt Google so dastehen, als erfinde es eine neue Methode wettbewerbswidrig zu werden. Wird es die Europäische Kommission wohl wieder ärgern wollen?

3. Macht es Google zum Publisher?

Ein umstrittenes Thema für Google, ähnlich wie bei Facebook. Ab wann gilt man als Publisher? Ab wann wird aus einer Quelle, die User auf die Inhalte einer anderen leitet, eine Quelle, die selbst verantwortlich für den Inhalt ist? US-Kulturministerin Karen Bradley verkündigte letzten Oktober, dass die Regierung in Erwägung zieht, Google, wie auch Facebook, als Publisher neu zu kategorisieren. Die Behörden sorgen sich um Urheberrechtsverstöße und der Verbreitung extremistischer Inhalte. Dies würde besser in Angriff genommen werden, wenn Plattformen ihre Verantwortung als Publisher akzeptieren würden, als wenn sie weiterhin einfach nur für die Verbreitung von Informationen Anderer verantwortlich sind.
Der Moment, in dem Google eine einzige Antwort liefert, anstatt einer Reihe möglicher gesuchter Antworten, macht das Ergebnis von Meinung zu Fakt und Google zum Publisher, oder?
Es wäre schwierig zu sagen, Google sei kein Publisher, falls die Einzelantwort von einer seiner eigenen Firmen käme. Bestimmt gibt es einen Grund, wieso es eine Antwort als die beste einstuft, ausgesucht aus einem Pool von Quellen, die es nicht selbst steuert. Nichts desto trotz, die Lieferung einer Antwort statt einer Liste von Quellen schiebt Google in das Reich der Publisher, oder zumindest Redakteure.

4. Fake News

Die US-Wahlen und das Brexit-Referendum haben den Terminus „fake news“ als Alltagsbegriff etabliert. Wenn Google also jemals über offensichtlich zielführende Abfragen und Ergebnisse, wie „wieviel Uhr ist es in Kalkutta?“ und „Wie viele Meter sind ein Kilometer?“ hinausgehen möchte – wie kann es sicherstellen, dass die Einzelantwort wirklich korrekt ist? Welche Antwort käme beispielweise bei „wie viele Leute verfolgten Trumps Amtseinführung“? 🙂
Wenn es jemals ein Bewertungssystem für Websiten Dritter gäbe, kann man sich gut vorstellen, wie anfällig dies potenziell für Missbrauch wäre. Es wäre voreingenommen zu entscheiden, welcher Publisher vertrauenswürdiger als ein anderer ist. Falls es sich für einen zum Konzern gehörenden „Partner“ entscheiden würde, könnte es überprüfen, woher die Daten kommen, hätte dann allerdings wieder mit wettbewerbswidrigen Vorwürfen zu kämpfen.

Wird Google so weit gehen – was denkst du?

Google ist stets fokussiert auf die Verbesserung der Sucherfahrung seiner user (und seinen Unternehmenswert zu steigern). Der Punkt, an dem sich das trifft, ist normalerweise die Fahrtrichtung, die am beliebtesten ist.
Geht es um SEO, könnte man sagen, beide Betrachtungen bringen nichts. Zehn Optionen, die Zeit in Sydney herauszufinden, helfen dem User nicht wirklich mehr, als eine einzige Antwort aus einem organischen Link, die den Google-Umsatz sowieso nicht steigert.
Mit einer Einzelantwort als PPC (Pay-per-Click) Ergebnis am Anfang der Seite und keiner organischen Liste würden jedoch die User Experience vereinfacht und Googles untere Zeile könnte auch noch wachsen.
Aber wird es je so weit kommen? Vielleicht erstmal als Versuch, bevor die eingeschränkten Antworten Realität werden?
Würde dies Google nicht in eine Richtung drängen, in der Nutzererfahrung durch eine mangelnde Auswahl beeinträchtig wird? Eine einzelne ausgewählte Antwort auf eine Frage zu erhalten, ist eine Sache. Keine andere Auswahl an Inhalten zu haben, ist eine ganz andere.
Das Interessante ist, dass die Sprachsuche genauso funktioniert und wenn das erwartete Wachstum (50% der Suchanfragen bis 2020, comScore) diesem Ziel nahe kommt, ist es eine Herausforderung, der sie sich bald so oder so stellen müssen. Googles rasanter Erfolg besteht darin, Leute auf eine Liste von Orten zu lenken, die ihnen am ehesten dabei helfen, herauszufinden, wonach sie suchen.

Kann man es jedem mit einer einzigen Antwort recht machen? Sicher ist es ein Schritt zu weit, oder doch nicht?

Wir freuen uns über Kommentare unter dem Beitrag!

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